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Ich bin eh da

Eben noch haben wir begleitet von einer erfrischenden Brise und ein paar sanften Regentropfen, die auf das Glasdach klopfen, unsere Gartenmahlzeit genossen, als mit einem Mal ein heftiger Wind aufkommt, der uns zweifellos ein nahendes Unwetter ankündigt. Schnell packen wir unsere Utensilien und laufen damit ins Haus, stellen die Dinge ab und machen kehrt, um mit einem zweiten Lauf den Rest zu holen. Die anderen sind gerade wieder drüben in der Pergola angekommen, als ich mit Samira im Arm durch die Wintergartentür folgen will. Doch ein explosionsartiger Wolkenbruch bremst uns jäh ein. Ich schließe meinen Arm fest um Samira und drücke sie an mich. Gebannt stehen wir da und schauen dem Spektakel staunend zu. Unsere Gäste und der Rest der Familie verschwinden im Garten hinter einer milchig-grauen Wand, während sich die Grasfläche vor unseren Augen in ein weißes Kugellager aus kleinen Hagelkörnern verwandelt. Samira umklammert mich fest mit ihren Füßen. An ihrer Körperspannung merkte ich, dass sie Sicherheit sucht. „Ich bin eh da“, sage ich und mache einen Schritt rückwärts in Richtung Stube. „Eh da“ wiederholt Samira, um sich selbst zu bestätigen, dass es allein dadurch, weil ich da bin, keinen Grund zur Angst gibt.

 

Was schenkt einem Kind Vertrauen ins Leben? Was hilft ihm, wenn es Angst hat?

 

Körperliche Nähe eines vertrauten Erwachsenen vermitteln einem Kind zweifellos das Gefühl von Nähe und Geborgenheit. Genauso können Worte für Sicherheit und Wärme sorgen. Beides ist wichtig, lebenswichtig sogar. Menschen brauchen Berührungen und wollen angesprochen werden. Sie brauchen es ganz elementar vom ersten Lebenstag bis ins hohe Alter.

 

Doch was ist, wenn die Worte zwar schön klingen, jedoch nicht ehrlich gemeint sind oder sich einfach nicht stimmig anfühlen?

 

Natürlich ist es nicht unsere Absicht, das Kind anzulügen. Oft haben wir jedoch Bedenken, dass es uns nicht versteht, wenn wir die Wahrheit sagen und erfinden daher simplere Erklärungen, denen wir selbst nicht Glauben schenken. Es stimmt: einfache Wörter und unkomplizierte Sätze erleichtern das Verständnis, doch wenn wir dabei nicht echt und wahrhaftig sind, können sie verwirren und verunsichern. Umgekehrt geben das Zusammenpassen und Harmonieren unserer Worte und Gedanken - was sich wiederum durch unsere Körpersprache bestätigt - Sicherheit und Klarheit.

 

Es ist keinesfalls notwendig, dem Kind die ganze Wahrheit aufzutischen. Wir brauchen im Fall des Hagelsturms keinen naturwissenschaftlichen Vortrag halten. Es genügt, die wahrnehmbaren Phänomene zu beschreiben und den kindlichen Gefühlen Worte zu verleihen. „Da ist es jetzt so laut da draußen“ und „Jetzt hast dich aber erschrocken, nicht wahr?“ könnten in dieser Situation bereits ausreichend und hilfreich für das Kind sein.

 

Nicht zuletzt müssen unsere beruhigenden Worte mit den bisher gemachten Erfahrungen des Kindes übereinstimmen.

 

„Ich bin eh da“ ist dem kleinen Kind nur dann wirklich dienlich, wenn es schon oft, am besten in allen bisherigen Lebenssituationen die Erfahrung gemacht hat, dass die erwachsene Bezugsperson in unsicheren Situationen da oder greifbar war und wenn es als Säugling felsenfest darauf vertrauen kann, dass der Erwachsene da ist und kommt, wenn es ihn braucht.  

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