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Wie viel Spielzeug schenke ich?

Die Frühjahrssonne scheint und darüber freuen sich nicht nur die vielen Gänseblümchen, die ihr freundliches Gesicht über die Grashalme emporheben. Samira tanzt mit Schwung und sichtbarer Begeisterung zum Gesang und den Gitarrenklängen ihres Vaters. Ihm ist nichts davon anzusehen, dass er gerade im Vorbereitungsstress für seine Diplomprüfung steht. Das Bild berührt mich und zeigt mir, wie wertvoll gemeinsame Zeit ist und dass es dabei nicht um das quantitative Ausmaß, sondern um die Qualität der Zuwendung geht, um die möglichst ungeteilte Aufmerksamkeit. Niemand findet es angenehm, mit jemand in einer nahen Situation zusammen zu sein, der in Gedanken woanders ist. Umgekehrt ist es wunderschön, wenn beide Partner in gemeinsamen Momenten völlig präsent sind. Schon wenige Minuten werden dann als bereichernd erlebt und bleibend im Herzen als Schatz aufbewahrt.

 

Zeit ist Mangelware in unserer Gesellschaft und davon sind auch schon die Allerkleinsten betroffen. Wer hat heutzutage nicht viel zu tun und steht immer wieder, wenn nicht gar permanent unter Stress? Wir befinden sich in einem Dilemma, unter dem wir selbst und unsere Beziehungen leiden. Am stärksten trifft dies unsere Kinder, denn sie können die Zusammenhänge nicht durchschauen und mangelnde Zuwendung schlimmstenfalls sogar als Ablehnung der eigenen Person empfinden.

Es ist schwierig, sich dem Sog unserer hektischen Zeit zu entziehen und aus diesem Teufelskreis auszusteigen. Wir leiden ja selbst genauso darunter und möchten, dass es unseren Kindern gut geht. Wir lieben sie, das ist keine Frage und das möchten wir ihnen vermitteln, immer wieder auch durch Geschenke. Teure Präsente und materielle Zuwendung können einen Mangel an gemeinsamer Beziehungszeit nicht ausgleichen, sondern die Problematik sogar eher verschlimmern, da jedes Ding, das wir besitzen, uns gleichzeitig Lebenszeit raubt, weil wir es pflegen, in Ordnung halten, reparieren und nach Gebrauch wegräumen müssen.

Wir leiden alle eher unter einem Zuviel an Dingen als an einem Mangel. Schon die Spielecken von Kleinkindern sind oft überfüllt. Zeit ist hingegen heutzutage Mangelware und deswegen unser kostbarstes Gut, das wir verschenken können. Als Daumenregel, wie viele Spielsachen ein Kind braucht, ist es hilfreich, daran zu denken, wie viele Spielsachen man bereit ist, täglich selbst wieder aufzuräumen und in Ordnung zu bringen.

Natürlich möchten wir dem Kind nicht nur Zuwendung, sondern auch Dinge schenken und das ist völlig legitim. Sachen zum Spielen braucht es schließlich für seine Entwicklung genauso wie Sachen zum Anziehen und andere Alltagsgegenstände, ein Fahrrad oder eine Schultasche zum Beispiel.

Doch muss es jedes Mal ein neues Spielzeug sein? Oft werden die bestehenden Spielsachen neu belebt und ins Blickfeld des Interesses gerufen, wenn sie durch Kleinigkeiten ergänzt werden. Das bereitet dem Kind genauso Freude und überfordert es nicht. Für diesen Zweck eignen sich ein Paar Söckchen für die Puppe, ein neues Tier für den Bauernhof, eine Schaufel für den Sandhaufen oder eine Glocke für das Dreirad sein.

Gebrauchsgegenstände wie Fahrräder oder Schultaschen, die man ohnehin irgendwann benötigt, würde ich persönlich nicht zu einem Anlass wie Ostern verschenken, sondern eher während des Jahres gemeinsam mit dem Kind besorgen und dabei auch den Gedanken der Nachhaltigkeit nicht außer Acht lassen. Das miteinander Aussuchen und Besorgen dieser Dinge kann zu einem besonderen Tag für Kinder und Eltern werden und hat auch etwas mit Beziehung und Zeit schenken zu tun….

 

Wenn man dem Kind zu Ostern etwas so Großes wie ein Fahrrad schenkt, kann man sich selbst in ein Dilemma bringen, denn es werden dadurch natürlich unbewusst Erwartungshaltungen geschürt. Was schenke ich dann nächstes Jahr? Was erhält das Geschwisterkind, welches bereits ein Fahrrad besitzt? Zurückzustecken ist nicht einfach, daher lieber klein beginnen und klein bleiben…

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