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Sind Kinder Traglinge - Teil 1?

Entscheidend ist die innere Haltung des Erwachsenen

 

Egal, ob Eltern ihr Kind viel tragen oder sie es getreu der Lehre von Dr. Emmi Pikler begleiten, entscheidend ist meiner Meinung nach die Absicht, die ihrem Handeln zugrunde liegt.

Ich habe es mir zu einem Grundsatz gemacht, jedem Menschen die beste Absicht für sein Tun zu unterstellen und fahre damit sehr gut. Mein Leben gestaltet sich dadurch viel positiver.
Was bringt es, anderen etwas zu unterstellen, was im Grunde nur eine Mutmaßung sein kann?
Ich gehe also davon aus, dass die einen ihr Kind deswegen tragen, weil sie ihm bestmöglich Geborgenheit geben möchten und dass andere ihr Kind möglichst viel in der Rückenlage spielen lassen, weil sie ihm optimale Entfaltung ermöglichen möchten.
Umgekehrt würde ich weder der ersten Gruppe auch nur in Gedanken unterstellen, dass sie ihr Kind aus eigenem Verlangen nach Nähe an sich binden möchten, noch der zweiten Gruppe, dass sie Abstand von ihrem Kind brauchen.

Was ich jedoch stets sinnvoll finde, ist, sich selbst immer wieder ehrlich auf den Zahn zu fühlen, inwiefern eigene Bedürfnisse das Handeln gegenüber dem Kind steuern oder sogar im Vordergrund stehen. Es ist mehr als legitim, eigene Wünsche zu haben und sie erfüllen zu wollen, doch die Kinder sind dafür nicht zuständig. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, hinzuspüren, was das Kind im Moment wirklich braucht, sei es Körperkontakt und Zuwendung, Bewegungsfreiheit oder Ruhe.
Ich empfinde es als weise, den eigenen Mangel und die eigenen ungestillten Sehnsüchte aufzuspüren und für Heilung und Unterstützung zu sorgen. Je mehr wir selbst erfüllt und ausgeglichen sind, desto besser können wir schließlich für unsere Kinder sorgen.

 

 

Auf das Ganze schauen versus Dogmen

 

Emmi Pikler zog ihre Erkenntnisse, ähnlich wie Maria Montessori aus der wissenschaftlichen Beobachtung des Kindes und vertrat ihre Grundsätze zweifelsohne kompromisslos, was für mich der korrekten Haltung einer Wissenschaftlerin entspricht. Wenngleich ich ihre Erkenntnisse studiert und für völlig nachvollziehbar erachte und schätze, bedeutet das für mich nicht, sie im familiären Umgang mit einer gewissen Flexibilität umzusetzen, wenn es der Gesamtsituation förderlich ist. Auf das Ganze zu schauen, hat für mich Vorrang und dazu ist es manchmal dienlich, Kompromisse einzugehen.

Dogmatisches Denken hat etwas Trennendes. Wenn wir uns in Lager einteilen, entstehen Gräben. Das kann meiner Meinung nach auch nicht im Sinne einer Emmi Pikler oder Maria Montessori sein, die das Kind und damit den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt haben. Wenn wir in „sowohl - als auch“ anstatt in „entweder - oder“ denken, entstehen Brücken. Für mehr Verbundenheit ist es nicht notwendig, die eigene Überzeugung aufzugeben. Wir können und sollen zu unserer eigenen Anschauung stehen. Doch genauso wertvoll ist es für mich, einander Empathie und Wohlwollen entgegenzubringen. Sich in andere hineinzuversetzen und zu versuchen, sie zu verstehen, dient nicht nur dem Gelingen zwischenmenschlicher Beziehungen, sondern erweitert zugleich den eigenen Horizont.

 

Das Verbindende über das Trennende stellen

 

Es ist mir ein Bedürfnis, mit meinen Zeilen dazu beizutragen, einander mit Verständnis zu begegnen. In manchen Dingen denken wir völlig verschieden, obwohl wir dieselbe gute Absicht haben. Wir alle versuchen unseren Kindern das Beste zu geben, das uns möglich ist. Wir wünschen ihnen aus ganzem Herzen Glück, Gesundheit und Freude und möchten, dass sie sich gut, ja bestmöglich entwickeln. Dennoch sind wir manchmal unterschiedlicher Überzeugung, welche Wege am Zielführenden sind. Und das ist in Ordnung.

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